Was ist ein Muskelfaserriss und wie entsteht er?

Von einem Muskelfaserriss spricht man, wenn durch eine Überbelastung eines Muskels eine oder mehrere Fasern reißen. Diese Fasern bestehen aus länglichen, zylindrisch geformten Zellen mit vielen Zellkernen. Mehrere Muskelfasern bilden gemeinsam ein sogenanntes Muskelfaserbündel. Dieses ist von einer Schicht Bindegewebe (Muskelfaszie) umgeben, welches auch die Nerven und Blutgefäße enthält, die den Muskel versorgen. Bei zu hoher Krafteinwirkung – zum Beispiel bei plötzlichem Abstoppen aus einem Sprint oder dem Aufkommen nach einem Sprung – können eine oder mehrere Fasern, Faserbündel (Muskelbündelriss) und sogar ganze Muskeln (Muskelriss) reißen. Aber auch Gewalteinwirkungen von außen, z. B. ein Schlag auf den Oberarm oder ein Tritt gegen die Wade, können in seltenen Fällen einen Muskelfaserriss zur Folge haben.

Zu der typischen Sportverletzung kommt es vorwiegend bei Sportarten, die von abrupten Bewegungen geprägt sind; zum Beispiel Handball, Fußball oder Tennis. Als besonders anfällig für Muskelfaserrisse und andere Sportverletzungen gelten sowohl Leistungs- als auch Hobbysportler. Die einen setzen ihren Körper einer kontinuierlich hohen Belastung aus, was zu Ermüdungserscheinungen führen kann. Bei den anderen sind die Muskeln teilweise nicht ausreichend trainiert oder gedehnt und daher weniger widerstandfähig gegenüber Verletzungen.
Uwe Gensheimer
Bei Sportarten wie Handball kann es zu einem Muskelfaserrisses im Oberschenkel oder Oberarm kommen.
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Typische Muskelfaserrisse: Oberschenkel, Wade & Co.

Es gibt Muskeln, die weitaus häufiger von Muskelfaserrissen, Muskelrissen, Zerrungen und (Über-)Dehnungen betroffen sind, als andere. Das liegt vor allem daran, dass manche Muskeln beim Sport sehr stark beansprucht werden. An diesen Stellen entsteht am häufigsten ein Muskelfaserriss:

  • Oberschenkel
  • Wade
  • seltener, aber auch nicht unüblich: Oberarm, Schulter

Gerade größere Muskeln wie diese werden beim Kraft- und Ausdauersport gefordert, weshalb hier auch ein höheres Verletzungsrisiko besteht als beispielsweise bei kleineren oder weniger stark beanspruchten Muskeln. Doch auch Muskeln am Oberkörper, an den Unterarmen oder in den Händen und Fingern können theoretisch reißen.

Zerrung oder Muskelfaserriss: Symptome erkennen

Für die Behandlung einer Muskelverletzung ist es wichtig, zu wissen, ob es sich um eine Dehnung, Zerrung oder einen Muskelfaserriss handelt. Eine abschließende Diagnose kann nur von einem Arzt oder einer Ärztin gestellt werden. Achte bei Verletzungen auf folgende Symptome, die auf einen Muskelfaserriss hindeuten:

  • plötzlicher, messerstichartiger Schmerz im Muskel
  • Funktionseinschränkung: Bewegungen und Belastungen durch Schmerz kaum möglich
  • Verstärkung des Schmerzes bei Anspannung des Muskels
  • sportliche Aktivität kann nicht weitergeführt werden
  • anfänglich sind tast- und sichtbare Dellen an der betroffenen Stelle möglich (bei Muskelriss in der Regel tiefer als bei Muskelfaserriss)
  • Schwellung des verletzten Bereichs, teilweise mit Bildung eines Blutergusses. Durch die Schwellung sind mögliche Dellen bereits nach kurzer Zeit nicht mehr sichtbar.

Je schwerwiegender die Verletzung, desto ausgeprägter zeigen sich die aufgeführten Symptome. Im Gegensatz zum Muskelfaser- oder Muskelbündelriss sind die Symptome einer Zerrung abgeschwächter: Die Schmerzen entstehen zwar ebenfalls plötzlich, sind aber weniger scharf. Bewegungen sind normalerweise möglich, wenn auch unter Schmerzen, die erst nach und nach zunehmen.

Bei Symptomen, die auf einen Muskelfaserriss hindeuten, muss die sportliche Betätigung umgehend abgebrochen und eine erste Behandlung eingeleitet werden.

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Muskelfaserriss-Behandlung

Wie auch bei anderen Sportverletzungen, z. B. Bänderdehnungen und -rissen, Zerrungen oder Prellungen, solltest du zuerst die P.E.C.H.-Regel anwenden:

  1. Pause: Unterbrich die Aktivität sofort und setze oder lege dich hin.
  2. Eis: Kühle den Muskel mit einem in ein Handtuch eingewickelten Kühlpad.
  3. Compression: Stabilisiere den Bereich mit einer Bandage oder einem Kompressionsverband, um die Entstehung einer starken Schwellung zu verhindern.
  4. Hochlagern: Um die Blutzufuhr in das verletzte Gewebe zu verringern und den Abtransport von Gewebeflüssigkeit anzuregen, lagere den betroffenen Körperteil hoch.
Besonders das Kühlen bei Sportverletzungen wie dem Muskelfaserriss ist wichtig. Denn durch die Kälte wird die Einblutung in das Gewebe verlangsamt und aufgehalten. So kann Schwellungen und Blutergüssen von Anfang an entgegengewirkt werden. Suche nach der Erstversorgung unbedingt ärztliche Hilfe, damit eine fachgerechte Behandlung des Muskelfaserrisses erfolgen kann.
Mann kühlt Knie mit Eis

Welcher Arzt/welche Ärztin behandelt einen Muskelfaserriss?

Suche beim Verdacht auf einen Muskelfaserriss entweder deinen Hausarzt, deine Hausärztin oder eine sportmedizinische bzw. orthopädische Praxis auf. Die Diagnose wird in der Regel durch das Anamnesegespräch und die anschließende körperliche Untersuchung gestellt. Zusätzlich werden Bewegungstests durchgeführt. Auch ein bildgebendes Verfahrens (Ultraschall, Magnetresonanz- oder Kernspintomografie) kann Aufschluss über Art und Schwere der Verletzung geben und zusätzlich Einblutungen ins Gewebe zeigen.

Heilungsdauer bei Muskelfaserriss

Die Heilung eines Muskelfaserrisses kann je nach Schweregrad bis zu sechs Wochen dauern. Die Dauer kann sich auch verlängern, wenn durch eine zu späte Behandlung eine starke Schwellung mit Hämatom (Bluterguss) oder Ödem (Wasseransammlung) entstanden ist. Während der Muskelfaserriss noch heilt, solltest du unbedingt eine konsequente Trainingspause machen. Wenn zu früh wieder mit dem Sport begonnen wird, kann dies die Heilung verzögern. Beim Wiederaufbau der Muskeln nach der Heilung solltest du es langsam angehen lassen, um die verheilte Muskulatur nicht zu überfordern. Du kannst zum Beispiel – in Absprache mit deinem Arzt oder deiner Ärztin – zunächst mit dem Joggen anfangen und das Training nach und nach steigern.
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Mit diesen 5 Tipps einem Muskelfaserriss vorbeugen

Eine hundertprozentige Vorbeugung gegen Sportverletzungen wie den Muskelfaserriss oder den Meniskusriss gibt es nicht. Sportler*innen können immer unglücklich aufkommen oder sich ungünstig bewegen. Einige Maßnahmen helfen jedoch, den Körper so zu unterstützen, dass ein gewisser Grundschutz aufgebaut wird. Probiere es mit diesen Tipps und Übungen:
  1. Überlastung vermeiden: Treibe nur so viel Sport, wie dein Körper schafft und akzeptiere deine Grenzen.
  2. Warm-up: Vor jedem Training sollte der Körper aufgewärmt werden. Auch für den Kreislauf ist das wichtig. Bringe dich mit einigen Ausdauerübungen in Schwung, zum Beispiel, indem du locker auf der Stelle joggst und Übungen wie Kniebeugen oder Hampelmänner machst.
  3. Cool-down: Nach der Trainingseinheit sollte ein Cool-down erfolgen. Dehne und strecke die Muskeln, um deren Regeneration nach dem Sport zu fördern und lasse, egal ob nach Kraft- oder Ausdauersport den Körper wieder langsam runterfahren, zum Beispiel, indem du noch etwa 10 Minuten entspannt ausläufst.
  4. Ernährung: Ausgewogene Kost mit vielen Vitaminen und ausreichend Eiweißen und Spurenelementen sorgt für ein widerstandfähigeres Immunsystem und unterstützt den Aufbau von Muskeln.
  5. Compression Wear und Bandagen: Eine gute Möglichkeit, beim Sport für mehr Stabilität von Gelenken und Muskeln zu sorgen, ist das Tragen von Bandagen oder Kompressionen beim Sport. Die Hansaplast Sport Compression Wear hilft, die Durchblutung zu verbessern und beugt Muskelschäden vor.

 

"Im Training trage ich meist Bandagen, damit man mehr Halt hat, das hilft einem schon extrem."

Uwe Gensheimer, Handball-Profi

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